Samstag, Januar 29, 2011

den jahresauftakt kulinarisch geniessen

traditionell lädt mein arbeitgeber die mitarbeitenden statt zu einem weihnachtsessen zu einem neujahrsempfang. mit dem „steigenberger belvedère“ in davos fällt die wahl auf bewährte werte. für den zweiten bürostandort in der nähe von zürich findet das essen im restaurant „die waid“ statt, welches mit grandioser aussicht über die stadt beeindruckt. verlässlichen informationen zufolge ist ein besuch im sommer, wenn der gastgarten geöffnet ist, noch lohnender.

Sonntag, Januar 16, 2011

edles aus der schweiz geniessen

endlich klappt es mit dem wiedersehen mit einem früheren arbeitskollegen. seiner empfehlung und zeitgerechten reservierung folgen wir in die „alpenrose“ in zürich., wo dem motto entsprechend ‚edles aus der schweiz’ – möglichst biologisch – auf den tisch kommt. danke an die fröhliche runde vom nebentisch, die uns einen ‚in natura’-einblick in die speisekarte mit regionalen und lokalen spezialitäten ermöglicht. nicht nur die feinen speisen im historischen ecklokal sind einen besuch wert, sondern auch die einrichtung und atmosphäre. mein persönlicher favorit unter den helvetischen wirtshausschildern: „hüpftanz verboten!“

Sonntag, Januar 09, 2011

erste schritte auf fellen begleiten und sich zu bewährten zielen bewegen

rund um den jahreswechsel starten meine töchter nacheinander ihre ersten gehversuche mit tourenskiern. als ziel bewährt sich jeweils das alpwegkopfhaus, weil der anstieg überschaubar ist und die auf der hütte servierte leberspätzlesuppe verlässlich ausgeschwitzte salze und energie zurückbringt. interessant, dass die mädels an der bewegung bergauf, die sie überraschend schnell beherrschen, mehr freude haben, als an der abfahrt mit den für die ‚generation carving’ ungewohnten skiern. mir wird klar, dass ich für meine töchter noch aus dem (ski-)paläozoikum stamme.

Donnerstag, Dezember 23, 2010

knapp vor weihnachten wieder den kreativdruck erleben

"alle jahre wieder" stellt sich die frage nach dem sujet für die dämonische weihnachtspost. diesmal liegt mit dem hausbau das thema zumindest auf der hand.

den zweieinhalb lesern dieses blogs auf diesem weg noch ein frohes weihnachtsfest, viel geduld beim warten auf die weiteren blogeinträge im neuen jahr und danke für die unerschütterliche treue.

Sonntag, November 21, 2010

die tradition des wellness-wochenendes wiederbeleben und geniessen

zu einem hohen zwischenmenschlichen feiertag beleben wir wieder die kleine tradition des wellness-wochenendes. eigentlich wäre ein aufenthalt in einem der einschlägigen bregenzerwälder leitbetriebe geplant, aber ein wasserschaden in unserer wohnung und die dröhnenden trockengeräte machen es notwendig, das betreuungskonzept für die kinder zu ändern. so flüchten wir 'en famille' nach oberösterreich. ilse und ich setzen die reise in die steiermark fort und checken in der grimming therme bzw. im angeschlossenen aldiana clubhotel in bad mitterndorf ein.

die therme und die saunawelt sind kleiner als unsere jeweilige vergleichsbasis in geinberg oder im aqua dome, aber sehr ansprechend und ruhig. dass in einem wellnesshotel das - sonst durchaus attraktive - zimmer bei der ankunft eiskalt ist, stimmt weniger 'well'. und die 'clubatmosphäre' beim abendessen im restaurant (kellnerin: "darf ich euch an einen achtertisch mit einer gaaanz netten gesellschaft setzen?") verweigern wir strikt, immerhin wollen wir auf unser 20-jahr-jubiläum ohne 'gaaanz nette gesellschaft' anstossen.

Sonntag, Oktober 31, 2010

venedig spontan sehen und die reise intensiv geniessen

"fahren morgen um 5:00 uhr nach venedig". meine tochter ist wenig begeistert, als sie spätnachts nach hause kommt und am küchentisch die frohe kunde auf einem post-it erfährt.

der wagen startet trotzdem pünktlich und in den hügeln vor verona geht die sonne auf. irgendwie schaffen wir die strecke bis zum parkhaus am piazzale roma in fünf stunden und den ersten kaffee geniessen wir bereits an einer sonnenverwöhnten fondamenta im sestiere cannaregio. denn dort um die ecke, in der residenza cannaregio, beziehen wir unser familienzimmer in einem ehemaligen kloster. feine sache, in diesem ruhigeren viertel venedigs zu wohnen, denn die dichte an restaurants und bars, in die sich auch noch einheimische verirren, ist hier bedeutend höher als in san marco oder san polo:

  • osteria ai 40 ladroni
    die ausweich-variante, nachdem unser nachstehender favorit über das gesamte wochenende ausgebucht ist:

  • l'anice stellato
    vielleicht bei einem nächsten besuch. nach allem was man hört, soll allein dieses restaurant die fahrt nach venedig wert sein.
natürlich konzentriert man sich an einem verlängerten wochenende in venedig auf die wichtigsten sehenswürdigkeiten, aber es bleibt immer zeit für ein gläschen zwischendurch. zu unserer lieblingsbar entwickelt sich "al timon", nicht nur wegen der unzähligen varianten von stockfisch, mit denen die brötchen zum hervorragenden wein belegt sind.

empfehlenswert auch unsere nachtwanderung durch die dunkelsten gassen venedigs rund um mitternacht. dieses "gezielte verirren" macht den mädels einen riesenspass und wir erleben die stadt in einer tatsächlich geheimnisvollen stimmung.

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Mittwoch, Oktober 20, 2010

geburtstäglich lesen

geburtstag ist bücherzeit. man kann sich zu diesem anlass praktischerweise auch selbst beschenken:
  • karl-markus gauss: im wald der metropolen
    reisebericht, essay, europaplädoyer, anektdotensammlung, geschichtsbuch? gauss lässt sich nicht einordnen und verführt gedanklich doch dazu, auf der stelle zu verreisen.
  • wolfgang böck/günther schatzdorfer: am besten echt
    nach "besser.einfach" des gastrosophischen autorenduos die nächste stufe der kulinarisch-kulturell-geschichtlichen annäherung an einen italienischen landstrich. eines der mutigsten rezepte, jenes für die 'pearà', hat es schon in den eigenen kochtopf geschafft. vor empfindlichen gästen empfiehlt es sich, die genaue zusammensetzung bis nach dem genuss zu verschweigen.
  • beef magazin im jahresabo
    für männer mit geschmack. ein ganzes jahr lang jene politisch ziemlich inkorrekte publikation geniessen, die an anderer stelle bereits im rahmen eines männerabends besprochen wurde! zum ausgleich liegt als abo-geschenk ein kleiner flammenwerfer bei, um die weibliche nicht-leserschaft mit crème brulée zu besänftigen.

Montag, Oktober 18, 2010

nochmals washington dc bereisen und geniessen

für den besuch von freunden ausserhalb von washington dc hänge ich vor dem rückflug noch eine private verlängerungsnacht in der hauptstadt an. diesmal ist mit dem "the dupont hotel" das glück der internet-buchung auf meiner seite: moderne atmosphäre in historischer substanz, angenehme lage am rande des szene-viertels adams morgan und ende oktober ein sonntags-frühstück mit pancakes auf der sonnigen terrasse direkt am dupont circle - so lässt es sich reisen.

irgendwie passt zu diesem sonntag, dass mich die star alliance mitarbeiter am dulles airport freundlich fragen, ob ich nicht statt mit aua über wien schon etwas früher mit lufthansa über frankfurt nach zürich fliegen möchte und dass ich später in der lounge über mein upgrade in die first class informiert werde. glück lass nach.
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den alltäglichen wahnsinn der shopping mall erleben

am rückweg von baltimore nach washington bietet sich mit "arundel mills", der grössten shopping mall marylands, gleich neben der autobahn ein zwischenstopp für ein paar mitbringsel an.

für einen haushalt mit drei damen, noch dazu so knapp vor der geburtstags- und feiertagssaison, führt der einschlägige weg gerne zu "victoria's secret". allerdings entpuppt sich der weg dorthin als steinig. denn an einem späten samstag nachmittag wollen unzählige mündige us-bürger in einem auf mittelalterliches schloss getrimmten mega-restaurant essen, im "bass pro shop" schnell ein fischerboot mit 250 ps aussenbordmotor für das wochenende besorgen oder einfach die herrliche atmosphäre mit dem künstlichen wasserfall und den elchen davor geniessen, oder im food court aus 27 fast food restaurants auswählen und die angefutterten kalorien mit dem mall-bähnchen schonend richtung ausgang bewegen.

die mitbringsel sind hart verdient.
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in die krabbenhochburg reisen und (nicht nur) meeresgetier geniessen

in baltimore führt kein weg an den krabben vorbei: egal, ob bei bisque und crab cake mit pommes frites in der diamond tavern im hilton baltimore oder beim herumhämmern auf ganzen krabben bei bo brooks an der canton waterfront. wie bitte wird der unersättliche krabbenhunger der konsumenten angesichts von überfischung, überdüngung und umweltverschmutzung in der chesapeake bay heute tatsächlich gestillt?

das "cinghiale" - bereits bekannt vom letzten besuch in baltimore - bietet abwechslung von den allgegenwärtigen krabben. dafür muss auch der europäische gast die vom makellosen keramik-vollgebiss der dauerfreundlichen kellnerin vorgetragenen erklärungen zur italienischen küche , die tagesempfehlungen und kommentare samt akzent ertragen. die küche entschädigt und zur weiteren abwechslung sind die portionen einmal angenehm überschaubar statt gigantomanisch.

krabbenfrei ist auch das buffet im "center club", einem privatclub im 15. stock eines gebäudes am inner harbour mit verständlicherweise grandiosem blick über eben diesen. drei herren im besten alter unterhalten mit entspanntem jazz und man beginnt baltimore, eine der zehn gefährlichsten städte der usa, zu geniessen.
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auf ungewöhnlichen routen über den atlantik und schliesslich an einem tag durch fünf staaten reisen

nach einigem hin und her mit routenvorschlägen des reisebüros via london oder boston erweist sich die kostengünstigste variante für den anstehenden transatlantik-flug als die durch und durch interessanteste:

ich hebe von altenrhein, dem containerflughafen am bodensee, richtung osten (!) ab --- trotz ausgefülltem und genehmigten esta-formular allerdings ohne gewissheit, bei der immigration in die usa eingelassen zu werden. auf meinem ticket prangt gleichsam ein scharlachroter buchstabe, bei dem selbst die bemühten damen am schalter in altenrhein passen müssen. in der business lounge in wien klärt sich nach meiner ankunft die sache schliesslich auf: ich muss dank zufälliger auswahl gemeinsam mit vier anderen mitreisenden durch eine spezielle, verschärfte sicherheitsüberprüfung. so macht man hautnahe bekanntschaft mit freundlichen schäferhunden, die statt nach knochen nach semtex schnüffeln und mit sicherheitsbeamten, die am schlüsselbund in der aktentasche ein mini-leatherman-taschenmesser entdecken und konfiszieren. schwamm drüber, denn der folgende flug von wien nach washington dc führt dann bei prächtig klarem herbstwetter exakt über oberösterreich, mit blick auf die 'alte heimat' in linz und über das alpenvorland hinein ins 'elterliche' kremstal.

am dulles airport weit ausserhalb von washington dc warten schliesslich ein toyota camry von hertz und ein normiertes zimmer aus der amerikanischen hotelkettenwelt - diesmal von hampton inn & suites - auf mich. für einen durchreisenden ist das pappkartonhotel durchaus in ordnung, allerdings verdirbt beim frühstück der schlürfende und schmatzende chinese am nebentisch den appetit.

durch einen geschäftlichen termin in west chester summiert sich die folgende autofahrt zu einer bundesstaatensammlung: maryland, district of columbia, maryland, delaware, pennsylvania. einer der komplizierterern wege, um vom dulles airport nach letztendlich nach baltimore zu gelangen.
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Sonntag, Oktober 10, 2010

verflüssigtes terroir geniessen

bei den verdauungsspaziergängen durch die weinberge um la morra drücken sich die schuhe in den lehm, von dem in den beschreibungen der wein-produktionszonen zu lesen ist. von den flüssigen werten dieser territorialen besonderheiten überzeugen wir uns bei der weinverkostung in der cantina comunale von la morra sowie bei den diversen mittag- und abendessen:

  • matteo correggia: roero arneis 2009
    zum mittagessen in der osteria del teatro in alba treffen sich die empfehlungen aus gambero rosso und aus dem mund der kellnerin. noch fragen?
  • cordero di montezemolo: barolo enrico VI
  • cordero di montezemolo: barolo monfalletto
    giovanni cordero di montezomolo, der freundliche herr in der unvermeidlichen wattierten jacke, beantwortet die frage nach seinem berühmten cousin luca mit adeligem gleichmut, gibt auch bereitwillig darüber auskunft, dass das geschlecht tatsächlich nach dem kleinen piemontesischen nest neben der autobahn nach genua benannt ist und kommt dann doch erst so richtig in fahrt, als er die unterschiedliche ausrichtung seiner weinberge und deren auswirkung auf die barolos erklärt. diese unterschiede bleiben aber in form von ein paar flaschen fürs erste im heimischen weinkeller gelagert. wenn es sein muss, auch ewig. so lange hält der wein nämlich. sagen die von montezemolo.

in der gruppe ins piemont reisen und den kulinarischen überschwang geniessen

auch der kleinste konditionelle oder bauchfett-verbrennungstechnische fortschritt der letzten sportsaison wird mit dem traditionellen jährlichen ausflug unserer 'turngruppe' mit einem schlag vernichtet: im piemont stehen - anders als in der sporthalle - nicht aufwärmtraining, dehnungsübungen und direkte ballannahme im vordergrund, sondern die trinktemperatur von roero arneis, die dehnbarkeit der zeit zwischen dem caffé nach dem mittagessen und dem ersten aperitivo vor dem abendessen sowie die direkte aufnahme von kalorien, tanninen und trüffelscheiben.

mit dem albergo ristorante la spiga in cherasco als basislager lässt sich die gegend zwischen alba, la morra und barolo vorzüglich erkunden. verbunden mit dem vorteil, dass signor guglielmone im hauseigenen restaurant zum abendessen fein aufkocht und sich seine weinempfehlungen autofrei geniessen lassen, ehe man ins eigene bett vor ort kippt.

tagsüber finden sich auch einige 'alte bekannte' und verlässliche werte in der liste der gastronomischen wegpunkte:

  • l'osteria del teatro in alba: das erste mittagessen des verlängerten wochenendes und gemäss unseres sportlichen anspruchs das richtige aufwärmtraining.
  • osteria veglio in la morra: grosse oper zum mittagessen bis in den nachmittag. die panna cotta bleibt auch diesmal wieder tourneesieger.


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Sonntag, September 19, 2010

den attersee-blues beim reisen erleben, dann aber doch die bewegung unter segel und die gastronomie geniessen

schon die vorzeichen bedeuten: alarm, murphy's law! bei der fahrscheinkontrolle im railjet, der mich zu beinahe noch nachtschlafener stunde von feldkirch richtung salzburg trägt, ist der schaffner mit dem gezeigten ticket nicht restlos zufrieden. irgendwie verständlich, wenn man bedenkt, dass es sich nur um die quittung für die kreditkartentransaktion handelt, mit der ich das ticket am automaten am bahnhof feldkirch bezahlt habe. allerdings ist das gewiss das einzige stückchen papier, das ich aus dem automaten gezogen habe --- und ich könnte schwören, dass da auch nichts weiter im ausgabefach lag. ein anruf des schaffners in feldkirch bringt kein anderes ergebnis: kein verwaistes ticket im automaten, aber - so die öbb-logik - ein anderer fahrgast könnte ja das ticket entnommen und kurzerhand statt nach röthis, rankweil oder riedenburg lieber richtung salzburg gefahren sein. es kommt, wie es kommt und zu erwarten war: ein neues ticket muss her, obwohl ich beweisen kann, dass ich den entsprechenden preis heute schon einmal gezahlt habe. zumindest notiert der schaffner in fein säuberlicher schrift und samt meiner passnummer den sachverhalt am nun scheinbar hinfälligen kreditkartenbeleg, damit ich vielleicht "am schalter" noch etwas ausrichten kann. florianiprinzip à la öbb.

nun gut, zumindest die verspätung ins salzburg hält sich so weit im rahmen, dass stefan, mit dem das segelwochenende am attersee geplant ist, noch nicht völlig ungehalten ist, obwohl er inmitten der bahnhofsbaustelle einen illegalen parkplatz zu verteidigen hat. fein, dass die nächsten aktionen problemlos funktionieren, immerhin hat stefan in mattsee noch einen historischen ford escort rs abzuholen und auf dem anhänger herumzutransportieren, ehe wir uns beim hotel attersee in seewalchen auf einem stellplatz einparken können, der auch wieder eine problemlose ausfahrt mit dem pick-up truck-anhänger-gespann ermöglichen sollte.

das hotel attersee gehört zu jenen unterkünften, bei denen man den tourismusverantwortlichen sagen möchte: empfehlt es lieber keinem gast, der an internationale 4-stern-standards gewöhnt ist (und diese für den bezahlten preis auch erwartet), sowie an keinen gast, der ein zimmer allein belegt. doppelzimmer zur einzelbelegung (statt abgewohnte mini-einzelzimmer) sind schon erfunden. ratet zudem von der nachsaison ab und führt ein symposium zur entwicklung der oberösterreichischen tourismuswirtschaft im spannungsfeld zwischen investitionsdruck, kreditbelastung und wurschtigkeit durch.

wie auch immer, denkt sich der kurzaufenthalter, wir sind ja nicht zur hochzeitsreise, sondern nur für eine nacht zur freundschafts-reunion und zum segeln hier --- und da wird es auszuhalten sein. aber das ungünstige preis-leistungs-verhältnis schmerzt trotzdem. dafür mundet das feine mittagessen auf der sonnigen seeterrasse umso mehr, während draussen am attersee beschauliche flaute herrscht. aber wir sind ja nur zum segeln hier ...

spazieren und flanieren sind als unfreiwillige alternative zu einer flautenschieberei angesagt und das gespräch mit dem langostinos-besitzer, den wir an der sonst leeren promenade vor seinem lokal treffen, lässt einen doppelten hoffnungsschimmer aufkeimen: für das segeln, weil er kurzerhand einen bootsvermieter anruft, den wetterbericht mit ihm durchgeht und für den nächsten tag ein auslaufen bei leichtem wind in aussicht stellt. und für das abendessen in seinem restaurant, als er uns seine ideen für ein menü zwischen saibling und wildsau auseinandersetzt.

bis es aber so weit ist, suchen wir uns andere kulinarische tröster. mittlerweile geht der gelernte attersee-nachsaison-gast auf nummer sicher und wir klappern die bereits lobend erwähnten lokalitäten druckerhof und grablerhof ab. in der gemütlichen stube im grablerhof lässt sich bei most auch leichter verschmerzen, dass es wettertechnisch zuzieht und der optimismus für einen sonntags-wind wieder risse bekommt. irgendwie logisch, dass die sauna im hotel attersee, die wir zum zwecke der vorbereitung auf ein gelungenes abendessen aufsuchen wollen, erst einmal technische chefbehandlung braucht, weil ein schutzschalter gefallen ist. nach der sauna also zum langostinos, aber dort herrscht ebensolche finsternis wie zuvor in der sauna: der wirt hat einfach zugesperrt. es bleibt anzunehmen, dass wir beide die einzigen gäste an diesem off-season-abend gewesen wären, und da schien es dem gastronomiekünstler wohl nur billig, den edelstahl in der küche nicht anzupatzen. das kulinarium attersee, dem sich das langostinos angeschlossen hat, bläst den blues. über den schlechten ersatz in einer pizzeria, deren name gnadenhalber unerwähnt bleiben soll, hüllen wir den mantel des schweigens und des vergessens. bezeichnend, dass stefan nach einem fehlversuch beim wein schliesslich bier bestellt, "weil man dabei kaum noch etwas falsch machen kann."

zumindest die einheimischen werden sich doch trotz der nachsaison in einem lokal wie dem 'liehmann' treffen, oder? wieder fehlanzeige. also lieber zurück ins hotel, denn dort konnten wir zuvor eine hochzeitsgesellschaft entdecken und da wird es wahrscheinlich an der bar schon lustig zugehen. die hochzeitsgesellschaft erweist sich jedoch als offensichtlich streng religiöse kleine gruppe, die sogar der wirtin die stimmungs-sorgenfalten auf die stirn zeichnet. nicht bloss wegen der schwach ausgeprägten umsatzkurve sondern wahrscheinlich auch aus mitgefühl mit einem brautpaar, das um mitternacht von den letzten gästen verlassen wird und das hotel mit zwei übel gelaunten, verhinderten seglern teilen muss.

sonne am sonntag vertreibt einige der sorgen, jedoch lässt die gewissenhafte überprüfung der wesentlichen indikatoren keine grosse hoffnung für die sportliche betätigung am wasser aufkommen. selbst am parkplatz beim yachtservice gebetsroither herrscht absolute windstille, aber am steg, an dem die yngling auf uns wartet, bekommt unsere stimmung ob des lüfterls aufwind. was will man(-n) sich beschweren: der wind trägt uns hinaus auf den see und hinüber nach weyregg, wo wir vor aichhorns post am landungssteg festmachen, voller freude und erleichterung zum frühschoppen ein seiterl geniessen und beschliessen, dass der attersee doch schön ist. auch in der nachsaison. dieses bild verstärkt sich durch ein ausgezeichnetes mittagessen im sonnigen gastgarten des landgasthofs ragginger in nussdorf. trotz der angeschlossenen metzgerei entschliessen wir uns, den verpassten fisch vom vorabend nachzuholen und die kleinen seesaiblinge, welche die freundlichste junge kellnerin dies- und jenseits der ager serviert, lassen jeden blues vergessen. als ob der see sich mit uns versöhnen möchte, schickt er für den tapferen yngling ausreichend wind für die strecke zurück richtung litzlberg und mit dem letzten 'schnauf' beenden wir beim anlanden ein rückblickend gesehen natürlich grossartiges segelwochenende. auf wiedersehen im nächsten jahr am bodensee. vielleicht etwas früher in der saison.

nachtrag: die 40-minütige verspätung bei der rückfahrt mit dem "snailjet" nach feldkirch konnte dem gesamteindruck auch nichts mehr anhaben und der fahrpreis für das nie gesehene ticket wurde zurückerstattet. abzüglich bearbeitungsgebühr.
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Freitag, September 17, 2010

sich mit zwei schwestern auf dem fürstensteig und auf den drei schwestern bewegen

endlich klappt es mit dem erklimmen der drei schwestern! die feldkircher hausberge verdienen sich aber die stilgerechte annäherung über den spannenden und abwechslungsreichen fürstensteig, dem der luxus der liechtensteinischen bergweg-pflege anzusehen ist. kurz und gut: bei schönstem spätsommerwetter ist diese überschreitung über kuhgrat, garselliköpfle und drei schwestern wahrscheinlich eines der besten alpinen erlebnisse unmittelbar vor der eigenen haustüre.
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Sonntag, September 12, 2010

den kalten atem der 'familie' erleben

unsere vermieterin stammt aus torre annunziata in der nähe neapels, einer bekannten hochburg der camorra. sie sei, sagt sie uns beim frühstück, hierher nach acciaroli gezogen, um ihre kinder in aller ruhe in einer region grosszuziehen, in der weder camorra noch n'drangheta bisher einen fuss auf die erde bekommen. jetzt ist sie sichtbar geschockt, als sie uns torta caprese serviert, denn in der nacht wurde angelo vassallo, der aufrechte und unbequeme grün-liberale bürgermeister acciarolis nach mafia-manier erschossen. plötzlich ist das, was man sonst nur aus savianos "gomorra" kennt, unmittelbare wirklichkeit und die 'familie' bedroht das bisher friedliche leben der vermieterin und ihrer eigenen familie.

der mord legt das öffentliche leben lahm, der schmucke fischerort erstarrt regelrecht und wird in windeseile von journalisten, tv-teams und exekutive belagert, die einheimischen wirken traumatisiert. am begräbnis vassallos sollten später rund 6000 personen teilnehmen, gleichsam in einer öffentlichen demonstration gegen die gewalt der clans und einige tage später zeigte auch roberto saviano selbst vor ort seine solidarität.

würden die autos in acciaroli nicht eu-kennzeichen tragen, könnte man kaum glauben, sich in europa zu befinden.
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sich mit sardellen im wasser und mit der wespe an land bewegen

das, was sonst in gläsern abgepackt im supermarkt auf uns wartet, schwärmt in marina di acciaroli direkt an der steilküste: sardellen. die silbrig-schwarzen, wogenden massen sind zuerst gar nicht als fische erkennbar, sondern erinnern viel eher an mächtige büschel von seegras, die sich in der leichten dünung wiegen. da trifft es sich hervorragend, dass wir - am rückweg vom schnorchelausflug - taucherbrille und flossen zur hand haben, um schnell in den schwarm einzutauchen. das schauspiel hält minutenlang an und die faszination, sich inmitten der amorphen masse dieses kollektiven fischkörpers zu bewegen, wirkt lange nach.

an land sind es vespa-derivate, mit denen wir die gegend erkunden. hier allerdings macht sich das fehlen einer gut ausgebauten touristischen infrastruktur schmerzlich bemerkbar, denn die etwas derangierten wespen fauchen und rauchen aus dem letzten loch. hauptsache, der fahrtwind und die aussicht stimmen.
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die süsse des südens geniessen

gleich am morgen mit der vespa runter zum hafen und mit kitschigem blick auf meer, küste und postkartenhimmel dem kai entlang zur pasticceria napoletana in marina di camerota. dort die redensartlich quälende vielfalt an herrlichsten süssigkeiten, die die auswahl in der kleinen bäckerei tatsächlich schwierig macht. dann die signora, die das verpacken der köstlichkeiten zur kunstform erhebt und mit karton, feinem papier und geschenkband ein päckchen des süssen versprechens hervorzaubert. wieder rauf auf die vespa, einmal knatternd durch die widerhallenden gassen des ortes und zurück in der 'residence' die bialetti angeworfen, damit für einen neuen tag voller 'dolce vita' das frühstück auf der terrasse parat ist.

der vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das 'süsse leben' auch sauer sein kann oder nach fisch schmecken kann. etwa hier:
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tief in den mezzogiorno reisen

feldkirch - zürich - milano - salerno - pisciotta/palinuro - marina di camerota. zweiundzwanzig stunden - das ist bedeutend länger, als die zahl 22 in worten ausgeschrieben suggerieren kann - benötigen öbb, sbb, trenitalia (mit einem überraschend komfortablen nachtzug) und der lokale autobus, um unsere bahnreisende familie ans urlaubsziel im cilento zu bringen.

dort, im süden kampaniens an der grenze zur basilikata, trommeln unterschiedlichste und teilweise zwiespältige eindrücke auf die sinnesorgane der mezzogiorno-urlauber ein: herrliche strände, abwechselnd und je nach vorlieben in endlos sandiger ausführung oder mit steilküste und kiesschüttung zum schnorcheln --- jeweils quallenfrei. bei den vespa-touren im hinterland jedoch müll und dreck in jedem strassengraben, obwohl der nationalpark cilento einen unglaublich wertvollen naturraum bieten würde. stille dörfer, deren bröckelnde hausfassaden von den tiefgreifenden auswanderungswellen vor allem nach lateinamerika künden, oder küstenorte mit den architektonischen segnungen der 70er-jahre, dafür aber keine verhüttelung und verschandelung der restlichen landschaft. feines essen im orbit von slow food mitgliedsgemeinden (pollica) mit neapolitanischen und sizilianischen einflüssen, daneben aber auch viel fast-food in der italienischen variante auf plastikgeschirr. vor allem italiener als urlaubsgäste und daher wenig ausrichtung auf den touristischen massenbetrieb für sonnenhungrige nordlichter. aus dem norden, aus brüssel, kommt lediglich das eu-geld, welches völlig sinnlose, überdimensionierte und verwaiste sportplätze mitten in den grünen hügeln des hinterlandes finanziert, um eines der vielleicht harmlosesten investitionsprojekte zu nennen. ein schelm, wer bei diesen geldflüssen böses denkt ...?

hin und wieder entdeckt der cilento-reisende zarte pflänzchen des sanften 'agriturismo', der sich durch die landschaftliche schönheit und vielfalt anbietet, und die von italimar vermittelten unterkünfte entsprechen bereits höchsten standards:
jede wette: in 20 jahren - wenn der müll weggeschafft ist und die dörfer, natürlich mit eu-geld, in schuss gebracht sind, wird der cilento zur neuen toskana. soferne nicht die lega nord den mezzogiorno vorher abtrennt oder 'die familie' alles zunichte macht.


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Freitag, August 27, 2010

berlinerisches geniessen, erleben, sehen und hören

wo in berlin die ihrer meinung nach beste currywurst serviert wird, erläutern einheimische je nach ihren vorlieben mit missionarischem eifer und nicht selten mit einem leichten hang zum religiösen fanatismus. dem 'ausländer' mit offensichtlich unzureichender befähigung zu diesem philosophischen diskurs bleibt bloss die gewissenhafte beobachtung jener faktoren, die einen unterschied machen könnten: kommt die currymischung direkt auf die - wiederum glaubensfrage: entweder knusprig gebratene oder bloss leicht gebräunte - wurst oder auf jene unmengen an ketchup, die an rote lava gemahnen und die vorgeschnittene wurst unter sich begraben und zu einer hügellandschaft formen? und soll dazu die berliner variante einer semmel oder doch eine portion pommes frites gereicht werden? und vielleicht noch wichtiger: darf die ketchup-lava sich auch über die pommes ergiessen oder bleibt dieser frittierte hort der knusprigkeit unverfälscht erhalten? wie auch immer: meine berliner kontaktleute schwören auf die currywurst bei biers im s-bahnhof an der friedrichstrasse und eines ist sicher: zumindest die lage unter den s-bahn-bögen ist originell und die wurst schmeckt. ganz ohne philosophisches brimborium.

königsberger klopse klingen ebenfalls berlinerisch. mindestens ebenso typisch berlinerisch ist mittlerweile das überdimensionale zelt, in dem dieses gericht in der pause einer schwungvollen inszenierung von "cabaret" serviert wird. die knödel aus kalbsfaschiertem im "tipi am kanzleramt" passen - so durch und durch preussisch - nicht ganz zur opulenten dekadenz und aufgeladenen atmosphäre der 30er-jahre, die vom schauspielerensemble und den musikern recht unmittelbar vermittelt wird.